Startseite2019-09-13T12:10:58+02:00

Wie sich die Union ihr eigenes Grab schaufelte:

Die sieben Todsünden der CDU

Zu den »sieben Todsünden« gehören u. a. Neid, Habgier und Maßlosigkeit. So gesehen ergibt es sogar einen tieferen Sinn, dass Greenpeace das christliche »C« aus dem Logo der CDU-Zentrale geklaut hat.»

»Der trojanische Krieg findet nicht statt«, so hieß ein Theaterstück des französischen Diplomaten Jean Giraudoux. Er könnte beim Verfassen auch den bevorstehenden Bundesparteitag der CDU im Auge gehabt haben. Auch diesmal wird sich die heruntergewirtschaftete Union nicht aus den langen Armen der Pattex-Kanzlerin befreien.

Ihre billige Kopie und überforderte Nachfolgerin Annegret Kramp-Karrenbauer, die prophylaktisch schon mal diesen und jenen »Fehler« zugegeben hat, wird sich einiges an Kritik anhören müssen. Einige Delegierte werden sich für ein paar symbolpolitische Beschlüsse feiern lassen, die den beiden Über-Damen nicht schmecken, die aber weder in der GroKo noch in einer schwarz-grünen Koalition Aussicht auf Umsetzung haben, und danach wird weitergewurstelt wie bisher.

Und Friedrich Merz, der Möchtegern-Hoffnungsträger vom Dienst? Der ewige Zauderer wird auch diesmal höchstwahrscheinlich seinem Motto treu bleiben: Wasch mir den Pelz, aber mach mich nicht nass; tragt mich in der Sänfte nach oben, aber selber mache ich mir die Hände nicht schmutzig. Die grundlegende Falschausrichtung der Union wird auch er nicht korrigieren, mag er auch partiell erkannt haben, was da schiefläuft.

Die Protestanten unter uns sind vor Kurzem am Buß- und Bettag in sich gegangen. Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble hat nach CDU-Gutsherrenart das Gegenteil getan und diesen Tag prompt missbraucht, um den Bürgern in einer Predigt Egoismus vorzuwerfen, weil sie nicht von allem begeistert sind, was die Obrigkeit so mit ihnen vorhat. Höchste Zeit also, den Spieß einmal umzudrehen und der CDU ihre sieben Todsünden vorzuhalten:

Todsünde 1: Luxuria – die Ausschweifung
»Verlinksung« und »Vergrünung«

Was Merkels Strategen »asymmetrische Demobilisierung« nennen, ist in Wahrheit ein einziger programmatischer Exzess. Rücksichtslos hat Angela Merkel als Kanzlerin und Parteivorsitzende die einstigen Kernbestände des CDU-Programms über Bord geworfen und sich stattdessen aus den Forderungen anderer Parteien bedient, um diesen den Wind aus den Segeln zu nehmen.

Erst hat sie die CDU sozialdemokratisiert und dann »vergrünt«. Weil die Union kein eigenes Programm mehr hat, kann sie mit jedem regieren, denn jeder kann ihr seine Forderungen aufdrücken. Bei den kopflosen Sozialdemokraten, die sich selbst an Grüne und Linke ausgeliefert haben, hat das so gut funktioniert, dass die »Große Koalition« der beiden Absteiger-Volksparteien schon gar keine eigene Mehrheit mehr hat.

Die nächste Option ist schon vorbereitet: Je länger Merkel regiert, desto grüner wurde die CDU, grüner sogar als die Grünen selbst. Die schwächelnde Wunschnachfolgerin AKK war in diesem Kalkül eigentlich als erste schwarz-grüne Kanzlerin vorgesehen. Die Merkel-Knappen Daniel Günther in Schleswig-Holstein und Tobias Hans im Saarland hat sie dabei hinter sich.

Der Ober-»Merkelianer« Armin Laschet aus NRW traut sich den Job allerdings selbst am besten zu. Aber Vorsicht: Je grüner alle anderen Parteien werden, desto stärker wird das Original. Am Ende droht eine grün-schwarze Koalition mit der CDU als Juniorpartner. Wo das hinführt, kann man in Baden-Württemberg studieren: in die Selbst-Demobilisierung nach SPD-Muster.

Todsünde 2: Gula – die Selbstsucht
Wortbruch und Wählerverachtung

Die Unmäßigkeit hat bei der CDU einen Namen: »alternativlos«. In Merkels Union gilt nur, was Merkel will und macht. Wer das nicht schluckt, der hat in der Partei nichts verloren, weisen Kettenhunde wie Ex-Generalsekretär Peter Tauber jeden Abweichler zurecht. Und wenn die Bürger an der Weisheit der großen Vorsitzenden zweifeln, dann sind sie halt zu dumm und müssen noch intensiver den Kopf gewaschen bekommen, damit sie endlich kapieren, wie weise sie doch regiert werden.

Mit dieser Arroganz ist die Union von einer Wahlniederlage zur nächsten gestolpert. Zweistellige Verluste in Serie; jede Wahl ein neues Misstrauensvotum gegen die Regierungspartei und ihre Führung. Aber bei der kommt die Botschaft einfach nicht an.

So wird weiter durchlaviert. Es geht nicht ums Regieren und Gestalten, sondern nur noch um den Machterhalt. Darüber ist die CDU »inhaltlich insolvent« geworden, stellen inzwischen sogar Parteisoldaten wie der baden-württembergische Landtagsfraktionschef Wolfgang Reinhart fest.

Reihum hat die CDU ihre Stammwähler vergrault: werteorientierte Christen mit »Homo-Ehe«, Gender-Quatsch und sozialistischer Bildungs- und Betreuungsgleichmacherei, freiheitlich gesinnte Bürgerliche mit Zensur, Gesinnungspolizei und »Antifa«-Rhetorik, rechtstreue Konservative mit der fortdauernden »Herrschaft des Unrechts« in der Asyl- und Einwanderungspolitik. Die Pseudo-Progressiven, die sie dafür umworben hat, wandern nach kurzer Zwischenstation weiter zur grünen Konkurrenz.

Kettenhund: Der Ex-Generalsekretär Peter Tauber geht gegen jeden Abweichler vor

Todsünde 3: Avaritia – die Habgier
Ideologiepolitik und Wirtschaftsfeindlichkeit

Die CDU als wirtschaftsfreundliche Partei des Mittelstands – das ist lange her, wenn es denn überhaupt je wahr war. Keine Steuererhöhungen, verspricht die CDU von Wahl zu Wahl, und bittet die Bürger dann doch immer ungenierter zur Kasse. Seit Merkel regiert, haben sich die staatlichen Gesamteinnahmen fast verdoppelt.

Für klientelpolitische Subventionen und Ausgabenprogramme werden die üppigen Staatseinnahmen verfrühstückt, als gebe es kein Morgen. Kein einziges ihrer ohnehin halbherzigen Entlastungsversprechen hat die Union unter dem Druck der rot-grünen Ausplünderer eingehalten. »GroKo ist nur noch die Abkürzung für grottenschlechte Koalition«, muss sie sich von dem westfälischen Unternehmer Ulrich Bettermann vorhalten lassen, einem Mann, der früher mal zur eisernen CDU-Anhängerschaft gezählt hätte.

Ideologiepolitik triumphiert über den gesunden Menschenverstand. Die Merkel-Union steht für eine Einwanderungs-, Energiewende- und Klimaschutzpolitik, bei der längst alle Dämme gebrochen sind. Geld spielt dabei keine Rolle, moniert auch Friedrich Merz und bekommt dafür Beifall von den gedemütigten Unternehmern und Steuerbürgern. Aber das war es dann auch schon; wirklich etwas ändern will auch der Zauderer Merz nicht.

Es gab Zeiten, da hätte eine CDU-Regierung die deutsche Wirtschaft vor irrsinnigen Regulierungen aus Brüssel in Schutz genommen. Vorbei: Merkels Truppe treibt den Wahnsinn selbst mit voran, schwächt die Autoindustrie mit Dieselpanik, Feinstaubhysterie und absurden CO2-Grenzwerten, treibt energieintensive Unternehmen mit Rekord-Strompreisen aus dem Land und nimmt die Deindustrialisierung des Landes achselzuckend in Kauf: Hauptsache, die grünlinken Medien applaudieren.

Todsünde 4: Ira – der Zorn
Rechtsbruch, Willkür und Beliebigkeit

Energiewende und Atomausstieg, Euro-»Rettung« und Einwanderungspolitik der offenen Grenzen: Diese drei kapitalen Rechtsbrüche werden für immer mit der CDU-Kanzlerin Angela Merkel verbunden bleiben. Von den unzähligen alltäglichen Rechtsbrüchen ganz zu schweigen.

Rechtsstaatspartei ist die CDU schon lange nicht mehr. Der Verfall der staatlichen Institutionen hat alarmierende Ausmaße angenommen. Statt Fehler zu analysieren und Probleme zu benennen, wird die Lage schöngeredet: Wir leben doch gut und gerne im besten Deutschland, das es je gab, wir sind ein reiches Land, das sich jeden Unfug leisten kann.

Und wehe, die Bürger beschweren sich oder wagen es gar, eine andere Partei zu wählen, die vieles noch vertritt, was die Union längst aufgegeben hat: Dann werden sie beschimpft und nach grün-linker »Antifa«-Manier in die »rechte« Ecke gestellt. Und wenn einer aus den eigenen Reihen vorschlägt, doch mal mit der AfD zu reden, mit der man schließlich viele programmatische Gemeinsamkeiten hätte, statt immer nur mit linken und noch linkeren Parteien zu koalieren, dann setzt es Klassenkeile, Rede- und Denkverbote von ganz oben.

Merkels Einwanderungspolitik der offenen Grenzen hat Deutschland massiv geschadet

Todsünde 5: Acedia – die Trägheit
Unsicherheitspolitik

Eine Kernaufgabe staatlichen Handelns, die Gewährleistung der Sicherheit im Inneren und nach außen, lässt die CDU in Regierungsverantwortung achtlos schleifen. Unter CDU-Verteidigungsministern wurde die Wehrpflicht abgeschafft, die Bundeswehr kaputtgespart, dauerreformiert und zur nur noch bedingt einsatzfähigen Lachnummer degradiert. Ihre unfähigsten Günstlinge parkt die Kanzlerin bevorzugt im Verteidigungsressort.

Vor der Notwendigkeit, die Grenzen zu schützen und zu kontrollieren, kapitulieren die Kanzlerin und ihre Minister schon seit Jahren. Folge: Die importierte Kriminalität explodiert, die Bürger fühlen sich nicht mehr sicher, Frauen und Mädchen werden zu Freiwild. Statt die Ursachen anzupacken, werden die Bürger mit halbherzigen Versprechungen von »mehr Polizeistellen« abgespeist. Lieber widmet man sich der Statistik-Kosmetik, um Jahr für Jahr verkünden zu können, Deutschland sei noch viel viel sicherer geworden.

Islamistischer Terror: Unzählige Kerzen und Blumen erinnern am Breitscheidplatz direkt an der Gedächtniskirche an den Anschlag auf den Berliner Weihnachtsmarkt

Todsünde 6: Invidia – der Neid
Nicht-Außenpolitik und Selbstisolation

Die außenpolitische Passivität der Kanzlerin macht inzwischen sogar amerikanische Linke nervös. Europa- und Außenpolitik nach definierten deutschen Interessen findet schlicht nicht statt. Die Kanzlerin und ihre Minister lassen sich von Frankreich und den Südstaaten vorführen, gezahlt wird ohne Murren, um höchste europäische Ämter wird nicht gekämpft, sondern alles nach parteitaktischer Augenblickslage laufen gelassen.

Nach vierzehn CDU-Regierungsjahren ist Deutschland mit den USA und Russland zugleich auf Eiszeit, durch Alleingänge in der Migrations- und Energiepolitik in Europa isoliert und dabei Euro-Zahlmeister und Sündenbock in einem. Den wichtigen Partner Großbritannien lässt Merkel einfach ziehen, für den Verbleib Griechenlands im Euro wird dagegen deutsches Volksvermögen in dreistelliger Milliardenhöhe ins Feuer gestellt.

Merkel und ihre Minister ziehen mit Belehrungen und erhobenem Zeigefinger durch die Lande. Sie ruinieren das eigene Land und empfehlen anderen, es ihnen gleichzutun. Die Reputation, die Deutschland einst als geachteter Partner in Europa und der Welt genossen hat, hat nun ausgerechnet eine CDU-Kanzlerin so gründlich verspielt, wie es kaum jemand je für möglich hielt.

Todsünde 7: Superbia – der Hochmut
Entnationalisierung und »Kampf gegen rechts«

Keiner Stammwählerschaft hat die Merkel-Union den Stuhl gründlicher vor die Türe gestellt als Konservativen und demokratischen Patrioten. In der Partei, deren Kanzlerin Deutschlandfähnchen am liebsten einsammelt und bei der Nationalhymne regelmäßig Zitteranfälle bekommt, haben Konservative nichts zu melden.

Da mag die »WerteUnion« sich noch so sehr in Pose werfen, da mögen Alibi-Anträge zur Beflaggung von Schulgebäuden gestellt und sogar beschlossen werden – die letzten verbliebenen Konservativen in der CDU sind eine hoffnungslose Minderheit, die gerade noch geduldet wird, aber nichts zu melden hat.

Von deutscher Leitkultur ist bei der CDU schon lange nicht mehr die Rede. Wie auch, mit einer Kanzlerin, die alle zufällig in Deutschland anwesenden zum »Volk« erklärt und sonst nur noch »schon länger hier Lebende« kennt. Die CDU ist Multikulti-Partei, wie alle anderen etablierten Parteien auch; und wie alle anderen spielt sie eifrig das »Kampf gegen rechts«-Spiel, weil sie glaubt, sich damit bei Medien und Mainstream beliebt zu machen und die lästige AfD-Konkurrenz vom Halse zu halten.

Und hat bis heute nicht gemerkt, dass sie damit den Linken und Sozialisten auf den Leim geht, die in Wahrheit Krieg gegen die bürgerliche Mitte führen – mit anderen Worten: gegen alles, was früher mal klassische CDU-Milieus waren.

Bei so viel selbstzerstörerischem Aberwitz fallen einem nur noch die Zeilen von Bertolt Brecht ein:

»Sie sägten die Äste ab, auf denen sie saßen
Und schrien sich zu ihre Erfahrungen
Wie man schneller sägen konnte, und fuhren
Mit Krachen in die Tiefe, und die ihnen zusahen
Schüttelten die Köpfe beim Sägen und
Sägten weiter.«

An diesem Wochenende können wir der CDU wieder mal dabei zuschauen.